Umgang mit kindlichen Ängsten in Bezug auf die Mundschutzpflicht

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Wer ab dem kommenden Montag einkaufen gehen oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen möchte, muss in ganz Bayern einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dies gilt auch für Kinder ab dem 6. Lebensjahr. Manche reagieren mit Freude und wünschen sich eine grüne Ninja-Maske, manche wollen viel lieber eine rote, um wie Spiderman aussehen zu können. Und manche Kinder sind da eher zurückhaltend und skeptisch.

 

Ganz besonders für jüngere Kinder ist dieser Ausnahmezustand schwer einzuordnen. Auf das veränderte Aussehen einer wichtigen Bindungsperson reagieren viele Kinder mit Weinen, Angst oder gar Panik. In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, wie Kinder in dieser Phase spielerisch und behutsam begleitet werden können und wie Du sie im Umgang mit ihrer Angst unterstützen kannst.

"Spiel ist die höchste Form der Kindesentwicklung." Friedrich Fröbel


Das kindliche Spiel hat auch hier eine ganz entscheidende Rolle. In ihren Spielphasen ahmen Kinder uns Erwachsene nach, sie sprechen das, was sie von uns gehört haben und stellen Alltagssituationen nach, um sie zu verstehen und zu verarbeiten. Sie kochen, sie reparieren, sie telefonieren, sie gehen einkaufen. Und genau das kann uns in der Maskenpflichtzeit von großem Nutzen sein. Um das Kind spielerisch ans Thema heranzuführen, kann es helfen, eine Spielzeugmaske für die Lieblingspuppe oder das Lieblingskuscheltier zu basteln oder zu nähen. Dabei gilt ein ganz wichtiger Grundsatz:   

"Was von Herzen kommt, verlangt nicht nach Perfektion." :)


Also: Ganz gleich, wie Deine selbstgemachte Maske aussieht - der Sinn zählt. Wenn das Kind selbst tätig und kreativ werden will, kannst Du die tatkräftige Unterstützung natürlich gerne annehmen und so die geliebten Spielsachen mit Masken ausstatten. Bereits im Entstehungsprozess kannst du hin und wieder erklären, dass die Puppe nicht krank werden möchte und so gut geschützt ist, wenn sie z.B. einkaufen geht.

 

Gehe auch gerne auf den Hygieneaspekt ein und zeige dem Kind, dass die Maske hin und wieder auch gewaschen werden muss, damit sie sauber bleibt. Ist die Maske aus Stoff, kann sie gleich in der großen Waschmaschine mitgewaschen werden. Andernfalls könnt ihr noch einmal kreativ werden und eine Spielzeugwaschmaschine aus einem einfachen Karton basteln. Du siehst, das Wichtigste ist, Kindern zu ermöglichen, all das, was wir aktuell tun (müssen) im Spiel nachzuahmen, um sich auf diese Art und Weise mit dem Thema vertraut zu machen.

 

Nach dieser Spielphase kann es sein, dass Kinder äußern, ebenfalls eine Maske aufsetzen zu wollen. Das ist natürlich eine großartige Möglichkeit, die Scheu und Skepsis davor zu verlieren und deshalb sollte dieser Wunsch von Dir unbedingt aufgegriffen werden. Kinder, die diesen Wunsch nicht äußern, brauchen möglicherweise mehr Zeit, sich spielerisch damit auseinander zu setzen und dürfen keinesfalls gedrängt werden. 

 

Bitte beachte: Selbst wenn die Maskenpflicht für Kinder unter 6 Jahren nicht gilt, spricht nichts dagegen, sie mit einer auszustatten. Dennoch solltest Du Folgendes beachten: Der spielerische Umgang mit einer Maske sollte stets unter Deiner Aufsicht stattfinden. Eine genähte Maske, die nur zum Spielen benutzt wird, kann aus ganz leichtem einlagigem Stoff gefertigt werden, damit die Atmung nicht beeinträchtigt ist und sollte auch nur eine kurze Spielzeit lang getragen werden. Dem Kind sollte es möglich sein, die Maske selbstständig abnehmen zu können, falls es ein beengtes Gefühl bekommt. Auf der Internetseite der Tagesschau findest Du weitere wichtige Informationen und kannst Dich da sehr gerne einlesen.

"Nur wer Angst verspüren kann, kann auch Mut beweisen." Dalai Lama


Das Unbekannte, das Neue, das Veränderte macht uns Menschen Angst. Und so ist es auch bei Kindern, wenn sie bemerken, dass die Menschen um sie herum ganz anders aussehen, als sonst. Weil sie nur die Augenpartie sehen können, gelingt es ihnen kaum, den Gemütszustand der Mutter, des Vaters zu erkennen und das verunsichert ungemein. Ja sogar uns Erwachsenen geht es aktuell nicht anders. Ich selbst ertappe mich auch häufig dabei, wie ich rätsel, ob mich die Kassiererin beim Einkaufen eher freundlich oder eher angespannt begrüßt, obwohl ich die Augenpartie und die Stimme sehr wohl wahrnehmen kann.

 

Das Augen-Rate-Spiel ist eine Idee, die mir bei der Vorbereitung zu diesem Beitrag eingefallen ist. Sie greift dieses unsichere Gefühl von Kindern und Erwachsenen auf und kann ganz entspannt zu Hause vor einem Spiegel oder gegenübersitzend gespielt werden. Hierzu kannst Du Dir und falls gewünscht auch Deinem Kind den Mund-Nasen-Schutz aufsetzen und verschiedene Gesichtsausdrücke nachahmen, welche das Kind erraten darf. Falls Dein Kind ängstlich reagiert, kannst Du dir die Maske zunächst einmal unters Kinn klemmen, damit es Dein ganzes Gesicht wahrnehmen kann. Gehe schrittweise vor und verstecke dann nur den Mund und zum Schluss auch die Nase. Mache einen glücklichen Gesichtsausdruck und frage: "Was glaubst Du? Wie schaue ich jetzt?" Richtig geraten? Dann kann Dein Kind sogleich kontrollieren, ob es richtig lag, indem es Deine Maske hinunterzieht. Dann kann auf Wunsch gewechselt werden und Du bist an der Reihe, den Gesichtsausdruck des Kindes zu erraten. Witzig wird es, wenn ein Schummelversuch hinzukommt. :) Wenn Dein Kind die Maske zur Kontrolle hinunterzieht, kannst Du schummeln und den Gesichtsausdruck in eine witzige Grimasse verwandeln, die Zunge rausstrecken oder eine Knutschaktion starten (Natürlich nur, wenn gewünscht!). Falls Du als pädagogische Fachkraft in einer Bildungseinrichtung tätig bist, kannst Du dieses Spiel natürlich auch ausprobieren - nur selbstverständlich ohne Körperkontakt und mit selbstgebastelten Einwegmasken, die die Kinder nach dem Spiel entsorgen können. Hier habe ich eine ganz gut verständliche Anleitung für Masken aus Zewa gefunden, die Du mit Deinen Kindern leicht nachmachen kannst.

"Wie sich das ICH einer Person strukturiert, hängt in ganz starkem Maße von den sozialen Grunderfahrungen ab, die sie in den ersten Lebensjahren macht." Gerald Hüther


Und aus meiner Sicht ist die wichtigste Erfahrung, die Kinder aus dieser herausfordernden Zeit für ihre Zukunft mitnehmen sollten, ist:

 

"Viele Menschen haben Angst. Auch ich. Angst zu haben ist normal und dient zum Schutz. Wenn ich Angst habe, weiß ich, was ich tun kann, damit es mir wieder besser geht. Ich habe Helfer, die mich und meine Angst ernst nehmen und für mich da sind."

 

Das Bilderbuch, welches wirklich super zu diesem Thema passt ist "Domino und die Angst". Ich selbst habe es bereits mehrere Male eingesetzt und kann es absolut empfehlen.

 

Nun wünsche ich Dir viel Freude beim Ausprobieren dieser Ideen zum Umgang mit kindlichen Ängsten im Bezug auf die Maskenpflicht und würde mich riesig über einen Kommentar freuen!

 

Bleib gesund und pass auf Dich auf!

Deine Anastasia

 

*Dieser Blogeintrag wird als Werbung markiert. Ich habe den vorgestellten Artikel selbst gekauft, in der Praxis ausprobiert und möchte ihn Dir weiterempfehlen. Ich stehe in keiner Partnerschaft zum oder erhalte Produktionshilfe vom Hersteller.

Hier schreibe ich für Dich!


Anastasia Weinberg

Systemische Beraterin (DGSF)

Staatlich anerkannte Erzieherin

Begeisterung für Einfaches

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Bücher

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Wertschätzung

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Stundenlanges Klagen

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Konsumwahn

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